Auf der Suche nach Enkaustik

Jenseits des Atlantiks

Enkaustik – schon gehört?

Ja klar – in den Vereinigten Staaten ist das kein Thema. Dort hat sich die Enkaustik in den letzten Jahrzehnten als eigene Kunstform etabliert, und es hat sich eine sehr aktive Künstler- und Unterrichtsszene gebildet. In Europa hingegen, befinden wir uns quasi in einer Enkaustik-Wüste.

Ich habe mich dieses Jahr erstmals mit meinen Encaustic Cubes auf den Weg an die 12. International Encaustic Conference in Provincetown auf Cape Cod gemacht, um mich mit Enkaustik Spezialisten auszutauschen.

Unter den hunderten von Teilnehmern, waren gerade einmal eine Handvoll Künstler aus Europa, Japan und Australien anzutreffen. Wobei zu sagen ist, dass die Teilnehmerinnen aus San Francisco beinahe genau so lange geflogen sind wie ich aus Zürich.

Enkaustik Paradies im Vendor Room

Das Herz höher schlagen liess auch das Enkaustikangebot im Vendor Room der Konferenz.

Nicht nur R&F Handmade Paints beeindruckte mit einer riesigen Auswahl an Farben und Werkzeugen. Auch alternative Anbieter wie Enkaustikos und Kama Pigments, deren Produkte meines Wissens in Europa noch nicht erhältlich sind, haben sich dort vorgestellt. „R&F“ Enkaustikfarben können in Europa in einer kleinen Auswahl bei Bösner erworben werden.

Workshops

Vor und nach der dreitägigen Konferenz wurden im Truro Center of the Arts unzählige Enkaustik-Workshops von etablierten Enkaustikkünstlern angeboten. Es war schwierig, eine Wahl zu treffen und mein Favorit bei Diethild Van der Schaaf leider schon ausgebucht.

Ich habe mich für Jodie Reeb, die sich mit „Alternative Surfaces“ und insbesondere Rost beschäftigt, und für Susan Lasch Krevitt entschieden, die uns in das Mysterium der Cyanotypien eingeführt hat.

Enkaustik Prominenz

Anwesend waren einige sehr prominente Enkaustik Vertreterinnen, u.a. Joanne Mattera, die nicht nur diese Konferenz ins Leben gerufen hat, sondern auch Autorin eines der ersten Enkaustik Grundlagenbüchern The Art of Encaustic Painting ist, das 2001 erstmalig erschien. Absolut lesenswert, wenn man sich in die Technik einlesen möchte.

Ebenfalls vor Ort war Richard Frumess, der Gründer von R&F Handmade Paints, der seit 1988 Enkaustikfarben entwickelt, und uns in die Wissenschaft von „achromatic“ und „chromatic blacks“ eingeweiht hat.

R&F hat sich inzwischen in den USA zum Marktführer von hochwertigsten Wachsfarben und Oilsticks entwickelt. Kein Wunder. Richard’s Passion und Hingabe scheint immer noch in jedem Wachsblock und mit jeder neu entwickelten Farbe spürbar.

Galerien und Ausstellungen

In der Woche der Konferenz gab es praktisch keine Galerie in Provincetown – und es gibt dort deren viele – die die aktuelle Ausstellung nicht dem Thema Enkaustik gewidmet hätte.

Besonders inspiriert haben mich die Werke von Lisa Pressman und Julie Snidle, aber auch Dietlind Van der Schaaf und Patricia Dusman, in deren Gesellschaft ich meine Enkaustik Würfel in der von Tim Doud kurierten Ausstellung zum Thema „Trans“ im Truro Center for the Arts zeigen konnte.